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VKB-Rehabilitation nach Operation: Kriterienbasierte Reha vom ersten Tag bis Return to Sport

Ein Kreuzbandriss ist für viele Patient:innen nicht nur eine Knieverletzung. Er unterbricht Training, Alltag, Sport, Routinen und oft auch das Vertrauen in den eigenen Körper. Nach einer VKB-Rekonstruktion entsteht deshalb schnell eine große Frage: Wann bin ich wieder belastbar?

Die einfache Antwort wäre: nach einigen Monaten.

Die bessere Antwort lautet: wenn das Knie, der Körper und die sportliche Aufgabe dafür bereit sind.

Genau hier setzt moderne VKB-Rehabilitation an. Sie orientiert sich nicht nur am Kalender, sondern an Kriterien: Beweglichkeit, Schwellung, Schmerz, Kraft, neuromuskuläre Kontrolle, Sprung- und Landefähigkeit, sportartspezifische Belastbarkeit und psychologische Bereitschaft.

Der Melbourne ACL Rehabilitation Guide 2.0 von Randall Cooper und Mick Hughes beschreibt diese Logik sehr klar: Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass eine bestimmte Woche erreicht ist, sondern dadurch, dass Patient:innen definierte funktionelle Ziele erfüllen. Aktuelle Leitlinien, insbesondere die Aspetar Clinical Practice Guideline zur Rehabilitation nach VKB-Rekonstruktion, stützen diesen Ansatz: Reha sollte individuell, progressiv, kriteriensbasiert und sportartspezifisch aufgebaut sein.

Dieser Artikel erklärt, wie eine postoperative VKB-Rehabilitation sinnvoll strukturiert werden kann, welche Assessments besonders relevant sind und warum Return to Sport mehr ist als ein einzelner Hop Test.

Kurzüberblick: Die wichtigsten Aussagen

  • Eine moderne VKB-Rehabilitation ist kriterienbasiert, nicht rein zeitbasiert.
  • Frühe Ziele sind volle Kniestreckung, Kontrolle von Schwellung und Schmerz sowie Wiederaktivierung des Quadrizeps.
  • Krafttraining ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil der Rehabilitation.
  • Laufen, Springen, Landen und Richtungswechsel sollten erst aufgebaut werden, wenn Beweglichkeit, Schwellung, Kraft und Bewegungskontrolle dafür sprechen.
  • Return to Sport sollte frühestens nach ausreichender biologischer Heilung und funktioneller Vorbereitung diskutiert werden; viele Leitlinien und Kohortenstudien betonen die Bedeutung von mindestens etwa 9 Monaten bei pivotierenden Sportarten.
  • Hop Tests und Limb Symmetry Index sind nützlich, können aber die tatsächliche Belastbarkeit überschätzen.
  • Psychologische Bereitschaft, Vertrauen und Angst vor Wiederverletzung gehören zur Return-to-Sport-Entscheidung.
  • Präventionsprogramme sollten nach der Rückkehr in den Sport dauerhaft Teil des Trainings bleiben.

Was bedeutet VKB-Rehabilitation heute?

Die Rehabilitation nach VKB-Rekonstruktion hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Früher wurden Rehapläne häufig über Wochenangaben gesteuert: Woche 1-2, Woche 3-6, Woche 12, Monat 6. Solche Zeitrahmen sind weiterhin hilfreich, weil biologische Heilung Zeit braucht. Sie reichen aber nicht aus.

Zwei Patient:innen können sechs Monate nach der Operation völlig unterschiedlich belastbar sein. Eine Person hat volle Streckung, kaum Schwellung, gute Quadrizepskraft und kontrollierte Landungen. Eine andere Person hat noch Erguss, Schmerzen beim Treppenabstieg und deutliche Kraftdefizite. Beide befinden sich kalendarisch im gleichen Zeitraum, aber klinisch in unterschiedlichen Reha-Phasen.

Deshalb ist der zentrale Gedanke moderner VKB-Reha:

Die Zeit gibt den Rahmen. Die Kriterien entscheiden über den Fortschritt.

Der Melbourne Guide gliedert die Rehabilitation in sechs Abschnitte: Pre-op, Erholung nach der Operation, Kraft und neuromuskuläre Kontrolle, Laufen/Agility/Landungen, Return to Sport und Prävention erneuter Verletzungen. Für diesen Artikel steht die postoperative Reha im Mittelpunkt.

Phase 1: Erholung nach der Operation

Die erste Phase nach der VKB-Rekonstruktion wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. Genau darin liegt ihre Bedeutung. Es geht nicht darum, möglichst schnell möglichst viel zu machen, sondern darum, die Basis für alles Weitere zu schaffen.

Die wichtigsten Ziele sind:

  • volle passive Kniestreckung wiederherstellen
  • Schwellung und Schmerz kontrollieren
  • Quadrizepsaktivierung verbessern
  • sicheres Gehen und alltagsnahe Belastung aufbauen
  • die Wundheilung respektieren

Ein häufiger Fehler besteht darin, die frühe Phase zu unterschätzen. Ein Knie, das nicht vollständig streckt, geschwollen bleibt und den Quadrizeps nicht gut ansteuern kann, wird später meist nicht einfach „von selbst“ leistungsfähig. Besonders ein Streckdefizit kann Gangbild, Patellofemoralgelenk, Quadrizepsfunktion und spätere Belastbarkeit beeinflussen.

Die Aspetar-Leitlinie empfiehlt, aktive Kniebewegung früh zu beginnen und Immobilisation zu vermeiden, sofern keine operationsspezifischen Einschränkungen bestehen. In dieser frühen Phase hilft eine gezielte Manuelle Lymphdrainage effektiv dabei, den Gelenkerguss zu reduzieren. Ergänzend unterstützen die Manuelle Therapie und eine sanft dosierte Krankengymnastik dabei, Gewebeblockaden zu lösen, die volle passive Streckung wiederherzustellen und den Muskelapparat schrittweise zu aktivieren. Auch frühe, kontrollierte Belastung ist in der Regel sinnvoll, muss aber immer mit chirurgischen Vorgaben, Transplantattyp, Begleitverletzungen und Reaktion des Knies abgestimmt werden.

Klinische Kriterien in Phase 1

Wichtige Assessments sind:

  • passive Kniestreckung
  • passive Kniebeugung
  • Schwellung, zum Beispiel per Stroke Test
  • Quadrizepsaktivierung, etwa über Lag-Zeichen oder aktive Streckkontrolle
  • Gangbild
  • Schmerzreaktion auf Belastung

Die Botschaft für Patient:innen ist einfach: Ein ruhiges Knie ist kein passives Knie. Es darf und soll bewegt werden, aber die Reha muss die Reaktion des Gewebes respektieren.

Phase 2: Kraft und neuromuskuläre Kontrolle

Wenn Schwellung, Schmerz und Beweglichkeit zunehmend kontrolliert sind, verschiebt sich der Schwerpunkt: Das Knie muss wieder belastbar werden. In dieser Phase geht es nicht nur um „ein paar Übungen“, sondern um den systematischen Wiederaufbau von Kraft, Kontrolle und Vertrauen.

Der Melbourne Guide beschreibt drei Hauptziele:

  • Einbeinbalance wiederherstellen
  • Muskelkraft deutlich verbessern
  • einbeinige Kniebeugen mit guter Technik durchführen

Typische Inhalte sind Squats, Step-ups, Ausfallschritte, Bridges, Wadenheben, Hüftkrafttraining, Rumpfkontrolle, Gleichgewichtstraining, Gangschulung und gelenkschonende Ausdauerformen wie Radfahren.

Wichtig ist: Krafttraining darf nicht zu lange künstlich niedrig dosiert bleiben. Genau hier setzen wir auf die Krankengymnastik am Gerät (KGG), um die Muskulatur unter professioneller Anleitung systematisch und funktionell wieder aufzubauen. Die Aspetar-Leitlinie unterstützt eine Kombination aus geschlossener und offener Kette, sofern Belastung, Bewegungsbereich und Symptome angemessen gesteuert werden. Offene Kette ist also nicht grundsätzlich „verboten“. Entscheidend sind Timing, Dosierung, Gelenkwinkel, Transplantattyp, vorderer Knieschmerz und klinische Reaktion.

„Listen to the knee“

Ein sehr praktischer Grundsatz aus dem Melbourne Guide lautet sinngemäß: Schmerz und Schwellung sind Rückmeldungen des Knies. Wenn beide zunehmen, toleriert das Knie die aktuelle Belastung wahrscheinlich nicht gut.

Das bedeutet nicht, dass jede Reaktion gefährlich ist. Aber ein wiederholt anschwellendes Knie nach Training, eine Verschlechterung der Streckung oder zunehmender Ruheschmerz sind Hinweise, die Belastungsplanung zu überprüfen.

Assessments in Phase 2

Für eine kriterienbasierte Reha sind einfache Tests oft sehr wertvoll:

  • Prone Hang Test für passive Extension
  • Goniometrie für Flexion
  • Stroke Test für Erguss
  • Single Leg Squat als Qualitätsprüfung
  • Single Leg Bridge Test
  • Single Leg Calf Raise Test
  • Side Bridge Endurance Test
  • Single Leg Rise Test
  • Einbeinstand mit offenen und geschlossenen Augen
  • ergänzend: 1RM oder submaximale Tests an Beinpresse und Squat

Diese Tests sind keine perfekte Abbildung von Sportfähigkeit. Sie geben aber Struktur. Sie helfen Therapeut:innen, Fortschritt sichtbar zu machen, Defizite zu identifizieren und Patient:innen nicht nach Gefühl in die nächste Phase zu schicken.

Phase 3: Laufen, Agility und Landungen

Laufen ist für viele Patient:innen der erste große Meilenstein. Es fühlt sich nach Normalität an. Genau deshalb ist dieser Schritt emotional wichtig und klinisch anspruchsvoll.

Eine gute Frage lautet nicht: „Ab welcher Woche darf ich laufen?“

Eine bessere Frage lautet: „Welche Kriterien sollte ich erfüllen, damit Laufen sinnvoll belastbar ist?“

Die Aspetar-Leitlinie nennt für Return to Running unter anderem volle Extension, nahezu vollständige Flexion, keine oder nur minimale Effusion, ausreichende Quadrizepssymmetrie und schmerzfreie vorbereitende Impact-Aufgaben. Der Melbourne Guide setzt in Phase 3 zusätzlich auf Sprungtests, dynamische Balance und gute Bewegungskontrolle.

Warum Laufen nicht nur Ausdauer ist

Beim Laufen wirken wiederholte Stoßbelastungen auf Knie, Hüfte, Sprunggelenk und Sehnenstrukturen. Das rekonstruierte Knie muss nicht nur „halten“, sondern Kräfte aufnehmen, verteilen und rhythmisch kontrollieren. Deshalb sollten vor dem Laufaufbau folgende Punkte geprüft werden:

  • keine relevante Schwellung
  • volle Streckung
  • gute Flexion
  • akzeptable Quadrizeps- und Wadenfunktion
  • kontrollierter Single Leg Squat
  • gute Belastungsreaktion nach Training
  • keine deutliche Schutzstrategie im Gangbild

Der Einstieg erfolgt meist mit Intervallen, zum Beispiel Geh-Lauf-Intervallen, nicht mit einem spontanen Dauerlauf. Umfang, Tempo und Untergrund sollten nicht gleichzeitig gesteigert werden.

Landungen und Richtungswechsel

In pivotierenden Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball, Tennis oder Ski reicht gerades Laufen nicht aus. Die eigentlichen Anforderungen entstehen beim Abbremsen, Landen, Reagieren, Schneiden, Drehen und unter Ermüdung.

Deshalb braucht Phase 3:

  • beidbeinige und einbeinige Landungen
  • horizontale und vertikale Sprünge
  • kontrollierte Hops
  • Deceleration-Training
  • Richtungswechsel mit zunehmender Geschwindigkeit
  • Reaktionsaufgaben
  • sportartspezifische Progression

Hier zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen „Übung geschafft“ und „sportlich belastbar“. Eine Person kann einen Hop Test bestehen, aber unter Ermüdung, Gegnerdruck oder Zeitdruck wieder in riskante Bewegungsmuster fallen. Gute Rehabilitation trainiert deshalb nicht nur Tests, sondern Aufgaben.

Phase 4: Return to Sport

Return to Sport ist kein einzelner Tag. Es ist ein Prozess.

Der Melbourne Guide betont drei zentrale Voraussetzungen:

  • hoher Score in einer Return-to-Sport-Testbatterie
  • Athlet:in fühlt sich sicher, bereit und motiviert
  • ein Präventionsprogramm ist etabliert

Diese Logik ist sinnvoll, weil die Rückkehr in den Sport multidimensional ist. Das Knie muss beweglich, reizarm, stabil, kräftig und funktionell belastbar sein. Gleichzeitig muss die Person Vertrauen haben, sportartspezifische Situationen wiederholt erfolgreich erlebt haben und wissen, wie Belastung nach der Rückkehr gesteuert wird.

Warum 9 Monate oft als wichtige Marke gelten

Die Delaware-Oslo-Kohorte zeigte, dass eine spätere Rückkehr in Level-I-Sport bis etwa 9 Monate nach Operation mit geringerem Reinjury-Risiko verbunden war. Diese Zahl sollte nicht mechanisch verstanden werden. Neun Monate sind kein magischer Schutzschild. Aber sie erinnern daran, dass biologische Heilung, Kraftaufbau, neuromuskuläre Anpassung und sportartspezifische Exposition Zeit brauchen.

Für pivotierende Sportarten ist eine Rückkehr vor 9 Monaten kritisch zu prüfen. Besonders bei jungen Athlet:innen, hoher Spielintensität, Kontaktsport, unzureichender Kraft oder niedriger psychologischer Bereitschaft sollte Zurückhaltung nicht als Angst, sondern als gutes Risikomanagement verstanden werden.

Return-to-Sport-Kriterien

Eine sinnvolle Testbatterie umfasst mehrere Ebenen:

  • keine relevante Schmerzen oder Schwellung
  • volle Beweglichkeit
  • klinische Stabilität
  • Quadrizeps- und Hamstringkraft
  • Hop Tests
  • dynamische Balance
  • Landungs- und Richtungswechselqualität
  • subjektive Kniefunktion, zum Beispiel IKDC
  • psychologische Bereitschaft, zum Beispiel ACL-RSI
  • Angstvermeidung oder Kinesiophobie, zum Beispiel TSK-11
  • sportartspezifische Fitness
  • Belastbarkeit unter Ermüdung

Wichtig: Der Limb Symmetry Index ist nützlich, aber nicht ausreichend. Wenn beide Beine schlechter geworden sind, kann ein guter Symmetriewert die tatsächliche Leistungsfähigkeit überschätzen. Deshalb sollten, wenn möglich, auch präoperative Werte, normative Daten, absolute Kraftwerte und sportartspezifische Anforderungen berücksichtigt werden.

Phase 5: Prävention erneuter Verletzungen

VKB-Reha endet nicht mit dem ersten Spiel. Die Zeit nach der Rückkehr ist besonders relevant, weil Reinjury-Risiko, Belastungssteigerung, Ermüdung und Spielrealität zusammenkommen.

Präventionsprogramme zielen darauf ab, neuromuskuläre Kontrolle bei Landungen, Richtungswechseln und schnellen Bremsbewegungen zu verbessern. Erfolgreiche Programme enthalten typischerweise:

  • Krafttraining
  • Balance- und Kontrollübungen
  • Plyometrie
  • Landetechnik
  • Agility und Richtungswechsel
  • regelmäßige Durchführung über Wochen und Monate

Programme wie FIFA 11+, PEP, Sportsmetrics oder sportartspezifische Varianten zeigen: Prävention ist kein einmaliger Workshop. Sie ist Trainingskultur.

Für die Physiotherapie bedeutet das in der praktischen Einordnung: Return to Sport sollte immer auch Return to Prevention sein.

Mythos vs. Evidenz

Mythos 1: „Nach sechs Monaten ist das Kreuzband wieder bereit.“

Evidenz: Zeit ist wichtig, aber nicht ausreichend. Viele Athlet:innen haben nach sechs Monaten noch Kraft-, Sprung-, Bewegungs- oder Vertrauensdefizite. Für pivotierende Sportarten sollte die Rückkehr nicht allein über Monate entschieden werden.

Mythos 2: „Wenn der Hop Test bestanden ist, ist Return to Sport sicher.“

Evidenz: Hop Tests sind hilfreich, aber sie erfassen nur einen Teil der Sportrealität. Kraft, Bewegungsqualität, Ermüdung, psychologische Bereitschaft und sportartspezifische Belastungen müssen zusätzlich berücksichtigt werden.

Mythos 3: „Offene Kette ist nach VKB-Rekonstruktion grundsätzlich gefährlich.“

Evidenz: Aktuelle Leitlinien sehen offene Kette differenzierter. Entscheidend sind Bewegungsbereich, Zeitpunkt, Dosierung, Symptome und chirurgische Vorgaben.

Mythos 4: „Schwellung ist normal und kann ignoriert werden.“

Evidenz: Wiederkehrende oder zunehmende Schwellung ist ein wichtiges Belastungssignal. Sie kann Quadrizepsaktivierung, Beweglichkeit und Trainingsqualität beeinflussen.

Mythos 5: „Gute Reha bedeutet perfekte Symmetrie.“

Evidenz: Symmetrie ist hilfreich, aber nicht das ganze Ziel. Entscheidend ist belastbare Funktion. Eine symmetrisch schwache Person ist noch nicht sportbereit.

Clinical Pearls

  • Die frühe Kniestreckung ist ein Schlüsselziel und sollte konsequent überprüft werden.
  • Schwellung ist kein Nebengeräusch, sondern ein klinischer Steuerungsparameter.
  • Quadrizepskraft sollte regelmäßig objektiv getestet werden.
  • Laufen beginnt nicht nach Kalender, sondern nach Beweglichkeit, Reizlage, Kraft und Impact-Toleranz.
  • Hop Tests brauchen Kontext: Technik, absolute Leistung, Ermüdung und Kraftwerte gehören dazu.
  • Return to Sport ist eine Entscheidung über Risiko, nicht über Erlaubnis.
  • Prävention beginnt nicht nach der Reha, sondern wird während der Reha aufgebaut.

Häufige Fehler in der Praxis

Zu frühe Progression trotz Schwellung

Wenn das Knie nach jeder Einheit anschwillt, ist die Belastung wahrscheinlich nicht passend dosiert. Mehr Disziplin bedeutet dann nicht mehr Training, sondern bessere Steuerung.

Zu wenig Krafttraining

Viele Rehapläne enthalten Übungen, aber zu wenig echte progressive Kraftentwicklung. Ohne ausreichende Intensität bleibt der Transfer in Sport und Alltag begrenzt.

Tests ohne Konsequenz

Assessments sind nur dann sinnvoll, wenn ihre Ergebnisse die Therapieplanung verändern. Ein schlechter Single Leg Squat sollte nicht nur dokumentiert, sondern trainiert werden.

Hop Tests als einziges Return-to-Sport-Kriterium

Hop Tests können bestanden werden, obwohl Kraftdefizite, Bewegungsstrategien oder psychologische Unsicherheit bestehen.

Zu spätes Training von Landungen und Richtungswechseln

Sportartspezifische Belastungen sollten vorbereitet und progressiv aufgebaut werden, nicht erst kurz vor der Rückkehr in den Wettkampf.

Was bedeutet das für Patient:innen?

Nach einer VKB-Rekonstruktion ist es normal, dass die Rehabilitation länger dauert, als man sich wünscht. Das heißt nicht, dass etwas falsch läuft. Es bedeutet, dass Knie, Muskulatur, Nervensystem und Vertrauen wieder aufgebaut werden müssen.

Ein gutes Zeichen ist nicht nur, dass Sie weniger Schmerzen haben. Gute Zeichen sind auch:

  • das Knie lässt sich vollständig strecken
  • Schwellung nimmt ab
  • Gehen wird flüssiger
  • Treppen werden sicherer
  • Kraftwerte verbessern sich
  • einbeinige Aufgaben fühlen sich kontrollierter an
  • das Knie reagiert gut auf Belastung
  • Sie gewinnen Vertrauen in sportliche Bewegungen zurück

Bei Genesio betrachten wir nicht nur einzelne Tests, sondern das gesamte klinische Bild. Ziel ist nicht, ein Knie „perfekt“ aussehen zu lassen, sondern eine belastbare, sichere und sinnvolle Rückkehr in Alltag, Training und Sport zu ermöglichen.

Fazit

Moderne VKB-Rehabilitation nach Rekonstruktion ist ein strukturierter, progressiver und kriterienbasierter Prozess. Der Melbourne ACL Rehabilitation Guide 2.0 liefert dafür ein sehr praktikables Phasenmodell. Aktuelle Leitlinien ergänzen dieses Modell durch differenzierte Empfehlungen zu Belastungsaufbau, Krafttraining, offenen und geschlossenen Ketten, Return to Running und Return to Sport.

Die zentrale Botschaft lautet: Nicht der Kalender entscheidet allein, sondern die Kombination aus biologischer Heilung, klinischer Reizlage, Kraft, Bewegungsqualität, sportartspezifische Belastbarkeit und psychologischer Bereitschaft.

Für Therapeut:innen bedeutet das: Assessments müssen regelmäßig, sinnvoll und konsequent eingesetzt werden. Für Patient:innen bedeutet es: Eine längere, gründliche Reha ist kein Zeichen von Rückschritt, sondern oft der beste Weg zurück zu belastbarer Funktion.

Der Genesio Campus steht für genau diese Verbindung: Evidenz verstehen, klinisch denken und praktisch anwenden.

3. Interne Verlinkungsvorschläge

  • „Return to Sport nach Knieverletzungen“ als vertiefender Artikel zur Entscheidungsfindung.
  • „Quadrizepskraft nach VKB-Rekonstruktion“ als Unterartikel zu Kraftdiagnostik und Training.
  • „Hop Tests in der Sportphysiotherapie“ als kritische Einordnung von LSI, Testbatterien und Limitationen.
  • „Belastungssteuerung in der Rehabilitation“ als Grundsatzartikel für Training nach Verletzungen.
  • „Patellofemoraler Schmerz nach Knie-OP“ als Folgeartikel zu häufigen Reha-Komplikationen.
  • „Prävention von VKB-Verletzungen“ als Phase-5-Vertiefung.

4. FAQ

Wie lange dauert eine VKB-Rehabilitation nach Operation?

Viele Patient:innen benötigen 9 bis 12 Monate oder länger, besonders bei Rückkehr in pivotierende Sportarten. Entscheidend sind nicht nur Monate, sondern erfüllte Kriterien wie Kraft, Beweglichkeit, Schwellungsfreiheit und sportartspezifische Belastbarkeit.

Wann darf man nach VKB-OP wieder laufen?

Laufen sollte erst beginnen, wenn das Knie reizarm ist, volle Streckung vorhanden ist, die Beweglichkeit gut ist und Kraft sowie Impact-Toleranz ausreichend sind. Ein reiner Wochenplan reicht dafür nicht aus.

Warum ist die Kniestreckung nach VKB-OP so wichtig?

Volle Streckung beeinflusst Gangbild, Quadrizepsfunktion und Belastbarkeit. Ein anhaltendes Streckdefizit kann spätere Reha-Schritte erschweren.

Sind Hop Tests nach Kreuzband-OP ausreichend?

Nein. Hop Tests sind nützlich, aber sie sollten mit Krafttests, Bewegungsanalyse, subjektiven Fragebögen, psychologischer Bereitschaft und sportartspezifische Belastung kombiniert werden.

Was bedeutet Limb Symmetry Index?

Der Limb Symmetry Index vergleicht die operierte mit der nicht operierten Seite. Ein Wert von 90 oder 95 Prozent kann hilfreich sein, aber er kann die Leistungsfähigkeit überschätzen, wenn auch das nicht operierte Bein abgebaut hat.

Wann ist Return to Sport nach VKB-Rekonstruktion sinnvoll?

Return to Sport sollte erst nach ausreichender Heilungszeit, guter Kraft, stabiler Bewegungsqualität, sportartspezifischer Belastbarkeit und psychologischer Bereitschaft erfolgen. Für pivotierende Sportarten wird häufig mindestens etwa 9 Monate als wichtige Orientierung genannt.

Warum schwillt das Knie nach Training wieder an?

Schwellung kann ein Zeichen sein, dass das Knie die aktuelle Belastung noch nicht gut toleriert. Dann sollten Umfang, Intensität, Übungsauswahl oder Regeneration angepasst werden.

Brauche ich nach der Reha weiter Präventionstraining?

Ja. Präventionsprogramme mit Kraft, Balance, Plyometrie und Landekontrolle sollten dauerhaft in Training und Warm-up integriert werden, besonders bei Sportarten mit Sprüngen und Richtungswechseln.

5. Literaturverzeichnis im APA-7-Stil

  • Andrade, R., Pereira, R., van Cingel, R., Staal, J. B., & Espregueira-Mendes, J. (2020). How should clinicians rehabilitate patients after ACL reconstruction? A systematic review of clinical practice guidelines with a focus on quality appraisal (AGREE II). British Journal of Sports Medicine, 54(9), 512-519. https://doi.org/10.1136/bjsports-2018-100310
  • Cooper, R., & Hughes, M. (2018). Melbourne ACL Rehabilitation Guide 2.0: A criteria driven ACL rehabilitation protocol and guide. Melbourne Sports Medicine Centre. Quelle: bereitgestellter Guide, bitte vor Veröffentlichung bibliografisch final prüfen.
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  • Kotsifaki, R., Korakakis, V., King, E., Barbosa, O., Maree, D., Pantouveris, M., Bjerregaard, A., Luomajoki, H., Wilhelmsen, J., Whiteley, R., & others. (2023). Aspetar clinical practice guideline on rehabilitation after anterior cruciate ligament reconstruction. British Journal of Sports Medicine, 57(9), 500-514. https://doi.org/10.1136/bjsports-2022-106158
  • van Melick, N., van Cingel, R. E. H., Brooijmans, F., Neeter, C., van Tienen, T., Hullegie, W., & Nijhuis-van der Sanden, M. W. G. (2016). Evidence-based clinical practice update: Practice guidelines for anterior cruciate ligament rehabilitation based on a systematic review and multidisciplinary consensus. British Journal of Sports Medicine, 50(24), 1506-1515. https://doi.org/10.1136/bjsports-2015-095898
  • Webster, K. E., Feller, J. A., & Lambros, C. (2008). Development and preliminary validation of a scale to measure the psychological impact of returning to sport following anterior cruciate ligament reconstruction surgery. Physical Therapy in Sport, 9(1), 9-15. https://doi.org/10.1016/j.ptsp.2007.09.003
  • Wellsandt, E., Failla, M. J., & Snyder-Mackler, L. (2017). Limb symmetry indexes can overestimate knee function after anterior cruciate ligament injury. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 47(5), 334-338. https://doi.org/10.2519/jospt.2017.7285

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